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Herz-Kreislaufpräparate in der Apothekenpraxis
 
Eine Frage der Auswahl und der Compliance
 
Beratung. Bei 60-Jährigen stellen kardiovaskuläre Erkrankungen »nur« 35 bis 40% der Todesursachen, bei 85-Jährigen steigt dieser Prozentsatz auf 65 bis 70% an. Also: KHK und Hypertonie gehören behandelt, ein zu hoher Blutdruck gesenkt.
Neben einer Reihe neuer Arzneistoffe gibt es immer wieder Revivals von altbewährten Substanzgruppen wie beispielsweise den Diuretika oder Betablockern.*
Mag. pharm. Dr.
Gerhard Kobinger
Mag. pharm.
Klaus Michler
Erfahrungsgemäß sinkt die Compliance mit der Anzahl der einzunehmenden Medikamente bzw. Tagesdosen. Bei einer 1 x täglichen Dosierung kann man bis zu 95% Therapietreue erwarten. Dieser Wert sinkt bei 3 x täglicher Einnahme auf 75% und bei 4 x täglich gar auf 58%. Laut einer Berliner Studie aus 1997 nahmen über 70-Jährige im Schnitt dauernd 5 verschiedene Medikamente und mehr ein. Gute Compliance kann nur bei höchstens 40 bis 50% der Patienten angenommen werden, verschiedene Studien fanden eine Range der Therapietreue von 20 bis 90%. Eine andere Studie ergab, dass von älteren Compliance-Verweigerern 72% die Therapieanweisungen ihres Arztes absichtlich nicht befolgten, wobei 52% von der Notwendigkeit der Behandlung nicht überzeugt waren und 15% die »grauslichen Nebenwirkungen« im Beipacktext als Gründe für die Unfolgsamkeit angaben.

Hier haben wir Apotheker also ein reiches Betätigungsfeld als »Compliance-Förderer«: Wir müssen unter Hinweis auf mögliche Spätfolgen die Sinnhaftigkeit der verordneten Therapie unterstreichen, beim Auftreten von Nebenwirkungen ein offenes Ohr haben und Patienten wie verordnenden Arzt gleichermaßen beraten und zudem die dosismäßig und zeitlich richtige Medikamenteneinnahme durch eindeutige, gut leserliche Signatur und nachdrückliche Erklärung sicherstellen. Eventuell kann man mit dem Hochdruck-Patienten den Begriff »metabolisches Syndrom« besprechen, nichtmedikamentöse Begleitmaßnahmen anregen und jedenfalls einen Interaktions-Check durchführen. Der behandelnde Arzt sollte nicht nur den gewünschten Blutdruck-Zielwert im Auge haben, sondern auch die Befindlichkeit und die Lebensqualität seines Patienten. Denn eine nebenwirkungsreiche Medikation führt häufig zum eigenmächtigen Therapieabbruch des Hypertonikers. Außerdem führt die Verordnung von 10 verschiedenen Arzneimitteln und mehr, siehe oben, zur Non-Compliance und auch zu den später noch anzusprechenden Interaktionen. Die 28% unabsichtlicher Compliance-Verweigerer hatten die Medikamenteneinnahme übrigens schlicht und einfach vergessen.

HK-Präparate – pharmakologische Grundlagen
Die einzelnen Arzneimittel(AM)-Gruppen der Herz- und Kreislaufpräparate:
Antihypotonika
Antihypertensiva
Lipidsenker
Antianginosa
Antiarrhythmika (teilweise)
mehr darüber: Österreichische Apothekerzeitung 6/2003

*Quelle: Dieser Vortrag wurde von Mag. pharm. Dr. Gerhard Kobinger und Mag. pharm. Klaus Michler auf der 36. Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer in Saalfelden im Februar 2003 gehalten.