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Gefälschte Medikamente: WHO präsentiert Aktionsplan
 
Ergebnisse der WHO Konferenz vom 11. – 13. November 2003 in Hanoi.
 
Nach einer Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO ist Medikamentenfälschung gang und gäbe:

Zehn Prozent aller Medikamente weltweit sind gefälscht. Eine weltweit operierende Fälschermafia stellt Medikamente mittlerweile am Fließband her. Selten ist jedoch auch in den Kapseln drin, was dann später auf der Packung steht. Denn nur fünf Prozent der Fälschungen sind perfekte Kopien, unterscheiden sich höchstens in der Farbe, aber nicht im Inhalt. Bei 19 Prozent der Plagiate ist viel zu wenig Wirkstoff enthalten. Die Gefahr: Krankheiten heilen nicht aus. 60 Prozent der Medikamente sind überhaupt keine. Sie sind Placebos. Kreide gegen Malaria – das endet nicht selten tödlich. Und unglaubliche 16 Prozent aller gefälschten Medikamente sind sogar vergiftet.

Mit schlimmen Folgen:

Nigeria 1990: Ein Hustensaft wird mit Frostschutzmittel "gestreckt". Über 100 Kinder sterben.
Türkei 1993: 1993 wird ein Händler verhaftet, der Medikamente nach Afrika exportieren will. Der Wirkstoff seiner "Medikamente" besteht aus Backpulver.
Niger 1995: Nach Informationen der "Ärzte ohne Grenzen" enthält ein Meningitis-Impfstoff nur Wasser.
Haiti 1996: Mindestens 59 Kinder starben nach der Einnahme eines gefälschten Fiebersirups.
China 1997: Im Rahmen von Untersuchungen erweisen sich 10 Prozent der getesteten Medikamente als minderwertig oder gefälscht.
Kenia 1998: Vorgebliche Anti-Malaria-Präparate erweisen sich als wirkungslos. Die Zahl der unmittelbar Geschädigten kann nur geschätzt werden.
Malawi 1999: Die angesehenen Zeitschrift Africa Health berichtet, das Land werde von gefälschten Arzneimitteln förmlich überschwemmt.
Kambodscha 2000: Aus dem südostasiatischen Staat werden mindestens 30 Tote durch gefälschte Anti-Malaria-Präparate gemeldet.
Afrika 2003: Eine aktuelle Studie der WHO in sieben afrikanischen Ländern (Gabun, Ghana, Kenya, Mali, Mozambique, Sudan, und Zimbabwe) hat ergeben, dass dort viele gefälschte und verfälschte Malariamittel gehandelt werden. Bei den eher billigen Chloroquinpräparaten wurden bis zu 23% Fälschungen gefunden, bei den teureren Malariamitteln betrug die Fälschungsrate sogar bis zu 90 %.

Das Problem Internetversand und Schwarzmarkt

Das Problem ist laut WHO auch in hochindustrialisierten Ländern weit verbreitet. Zu den am besten verkauften Fälschungen gehört Viagra, das einfach über das Internet bezogen werden kann. Aber auch der Schwarzmarkt blüht: die Kosten für eine Fälschung des bekannten Potenzmittels am Schwarzmarkt liegen derzeit bei € 17,- pro Stück!

Aktionsplan der WHO
Bei einer Konferenz vom 11. – 13. November 2003 in Hanoi, Vietnam, hat die WHO einen Aktionsplan gegen Arzneimittelfälschungen präsentiert. Auch die amerikanische Zulassungsbehörde FDA unterstützt diese Initiativen zur Hebung der Arzneimittelsicherheit. Die extreme Ausbreitung des Problems sei teilweise auf das Fehlen einer entsprechenden Gesetzgebung und auf mangelnde pharmazeutische Qualitätssicherung zurückzuführen. Deshalb will die WHO in Zukunft den betroffenen Ländern verstärkt rechtliches und pharmazeutisches Know-how anbieten.

Mehr darüber unter auf der Homepage der WHO unter www.who.int/mediacentre/releases/2003/pr85/en/
und unter www.fda.gov/oc/initiatives/counterfeit/ (U.S. Food and Drug Administration).
Sehr gute und aktuelle Informationen zum Problem “Arzneimittelversand” bietet auch „Medikamenteninformation online“, eine Kampagne der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg gemeinsam mit den VdaK „Ersatzkassenverbänden“ Baden-Württemberg und der Verbraucherzentrale Baden Württemberg: www.medikamenteninformation.de/index.htm

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