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Schlehdorn in Pharmazie und Volksheilkunde
 
 

Schlehen am Waldrand bei Neudau in der Steiermark.
Foto: F.Biba
    Die Schlehe (Schlehdorn) gehört zur Familie der Rosengewächse und wächst als Strauch oder als kleiner Baum von 1 - 3 m, in seltenen Fällen bis zu 6 m Höhe. Er ist stark verästelt, die jungen Zweige sind samtartig behaart und laufen in spitze Dornen aus. Die Rinde ist sehr dunkel, die Blüten sind weiß, erscheinen vor den Blättern im März und April und stehen so dicht, dass der ganze Strauch weiß übersät ist. Die elliptischen am Rand fein gesägten gestielten Blätter sind ca. 3 - 4 cm lang und mattgrün. Die kugeligen Früchte erreichen einen Durchmesser von ca. 1 cm, sind zuerst grün, dann blau-schwarz bereift. Es sind einsamige, säuerlich-adstringierend schmeckende Steinfrüchte, man sammelt sie von September-Oktober bis Anfang November. Reif sind die Früchte, wenn auch die Schale am Stielansatz blau ist und sie sich leicht abpflücken lassen. Erst durch den Frost wird die in der Schlehe enthaltene Stärke in Zucker umgewandelt, dann sind sie etwas schmackhafter.

    Die Schlehe ist ein wichtiger Bestandteil in natürlichen Hecken, denn gerade zusammen mit anderen Rosengewächsen bildet sie ein undurchdringliches Dornengestrüpp, das junge Bäume, wie die Eiche, vor Tierfraß schützt. Der Schlehdorn gilt auch als Schmetterlingspflanze, denn zur Zeit seiner Blüte im Frühjahr dient er Schmetterlingen als Futterpflanze, ist aber auch Brutstätte für zahlreiche Singvögel. Das Nest des Neuntöters ist im Geflecht der Äste bestens versteckt und indem er seine Beute an den Dornen aufspießt, schafft er Vorräte für schlechte Tage.

Der Name "Schlehe" geht auf das indogermanische „sloi“ zurück und bedeutet „blau“ oder "bläulich". Auch in anderen Sprachen wird die Pflanze nach ihren blauen Früchten benannt (in Ungarn etwa heißt die Schlehe "kökeny", abgeleitet von „kök“ = blau). Es gibt aber auch Bezeichnungen, die auf die dunkle Rinde hindeuten. So ist eines der Synonyme für Schlehe „Schwarzdorn“, engl. Blackthorn.

Schlehdorn pharmazeutisch betrachtet

Lateinische Bezeichnung: Prunus spinosa L.
Prunus war schon die römische Bezeichnung für die Pflaume. Der Artname spinosa bedeutet dornig.

Stammpflanze: Prunus spinosa L. (Rosaceae)

Volksnamen:
Schlehe, Bockbeerli, Schlehdorn, Haferpflaume, Hagedorn, Kietschkepflaume, Sauerpflaume, Schwarzdorn

Blackthorn [englisch]
Epine noire [französisch]

Verbreitung: Wald- und Wegränder, sonnige Berghänge. In Mitteleuropa weit verbreitet. In den Nordalpen bis 1000 m, im Süden bis 1500 m hoch ansteigend.

Botanik
Die ebenfalls zur Familie der Rosengewächse gehörenden Zwetschken (Pflaumen, Prunus domestica) sind wahrscheinlich aus der Schlehe hervorgegangen. Die Urpflaume, so wird vermutet, entstand durch Kreuzung der Schlehe mit der Kirschpflaume (Prunus cerasifera) und zahlreichen kultivierten wie verwilderten Sorten, so dass heute viele Subspecies existieren.

Verwendete Pflanzenteile: Die Blüten, die Früchte und die Blätter.

Inhaltsstoffe der Blüten (Flos Pruni spinosae):
Gerbstoffe und mindestens 2,5 Prozent Flavonoide, überwiegend Glykoside von Quercetin und Kämpferol. Kämpferol ist ein Phytoöstrogen, das auch in roten Weintrauben, Gingko, Brokkoli und anderen Pflanzen vorkommt, und das möglicherweise in der Krebsprophylaxe eine Rolle spielt, da es bestimmte Enzyme, die an der Entstehung von Krebs beteiligt sind, hemmt.

Verwendung:
Wissenschaftlich belegt: Leichte Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut.
Erfahrungsmedizin: Als Laxans, Diuretikum, Diaphoretikum und Expektorans.

Empfohlene Dosierung:
Mittlere Tagesdosis: 4,5 g Droge.

Teebereitung: 1 – 2 gehäufte Teelöffel (etwa 1 – 2 g) getrocknete Schlehenblüten mit ¼ Liter kochendem Wasser übergießen etwa 10 min unter gelegentlichem Umrühren stehen lassen und dann abseihen. Bei Entzündungen im Mund mit dem Tee mehrmals täglich gurgeln bzw. als mildes Abführmittel 1 – 2 Tassen tagsüber oder 2 Tassen abends trinken.

Phytopharmaka: Schlehenblüten sind Bestandteil einiger Abführtees und sog. „Blutreinigungs- und Entschlackungstees“ aus der Apotheke.

Anwendung in der Homöopathie: bei „Herzschwäche“ und „Nervenschmerzen im Kopfbereich“

Anwendung der Blätter und Früchte:
In der Volksmedizin werden gelegentlich auch die Blätter und Früchte der Schlehe verwendet. Das aus reifen Früchten hergestellte Schlehen-Mus (Marmelade) wird bei Magenschwäche gegen Appetitlosigkeit sowie bei Nieren- und Blasenleiden empfohlen. Der Saft wird als Gurgelmittel bei Entzündungen am Zahnfleisch und an der Mundschleimhaut verwendet. Die jungen Blätter, gleich nach dem Abblühen geerntet und sanft getrocknet, werden ähnlich wie die Blüten als Adstringens und Diuretikum eingesetzt.

In den Samenkernen der Schlehe befindet sich das Blausäure-Glykosid Amygdalin, das auch in den Kernen unserer Steinobstsorten vorkommt.

Rezept für Schlehen-Marmelade:
Die nach dem ersten Frost geernteten Schlehen werden gewaschen und mit Wasser übergossen. Am nächsten Tag das Wasser abgießen und pro kg Schlehen ¼ l Weißwein und 1/8 l Wasser zugeben. Danach unter ständigem Rühren die Früchte weichkochen, nach dem Erkalten wird der Fruchtbrei durch ein Sieb gedrückt. Es muss kein Haarsieb sein, denn es geht nur darum, die Kerne zurückzuhalten. Dann pro kg Schlehenbrei ¼ l Weißwein und 375 g Zucker zugeben. Das Ganze wird nun zur Marmelade verkocht.

Rezept für einen Schlehen-Saft:
Die frischen Schlehen werden mit soviel kochendem Wasser übergossen, dass sie gerade überdeckt sind. Am nächsten Tag abseihen und den so gewonnenen Saft auf 75 Grad erhitzen und nochmals über die Schlehen gießen. Wieder über Nacht stehen lassen, abseihen und pro Liter Saft ein halbes kg Zucker zugeben. Mehrmals unter ständigem Rühren und Abschäumen aufkochen und in Flaschen abfüllen. Kühl aufbewahren.

Die Früchte der Schlehe werden auch zur Herstellung von Likör, Schnaps, Fruchtweinen und Spirituosen genutzt.

Tipps:
    • Mit dem Sammeln der Schlehen nicht zu lange warten, da diese auch bei den Vögeln sehr beliebt sind. Man kann die Früchte auch schon vor dem ersten Frost pflücken und vor der Weiterverarbeitung einfrieren.
    • Schlehenmarmelade oder Schlehensaft bringt die Magensaftsekretion in Schwung und hilft so gegen morgendliche Appetitlosigkeit. Für „Frühstücksmuffel“: Gleich nach dem Aufstehen 1 Esslöffel Schlehen-Saft oder 1- 2 Löffel Marmelade (eventuell auf einem Brot) zur Appetitanregung.