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Sonderaufführung »Der Apotheker«
 
Vor 600 Apothekern im Austria-Center in Wien
 
Am 16. November 2002 fand im Austria-Center in Wien die traditionelle große Fortbildungsveranstaltung der Österreichischen Apothekerkammer statt. Über 600 Apothekerinnen und Apotheker nahmen daran teil. Den krönenden Abschluss dieser Veranstaltung bildete die Aufführung der köstlichen Haydn-Oper »Der Apotheker« durch das Ensemble der Musikschule Waidhofen/Ybbs unter der musikalischen Leitung von Mag. Johannes Sulzer. Die jungen Waidhofener Künstler kamen auf Einladung der Österreichischen Apothekerkammer ins Austria-Center, nachdem der Vizepräsident der Apothekerkammer-Landesgeschäftsstelle Wien, Mag. pharm. Max Wellan, zufällig im heurigen Frühjahr von der Aufführung dieses Stückes im Stadtsaal Waidhofen erfuhr und sie besuchte. Beeindruckt von dieser selten aufgeführten Opera buffa von Joseph Haydn setzte Wellan alle Hebel in Bewegung, um seinen Apotheker-Kollegen diesen Kunstgenuss ebenfalls zu ermöglichen.

»Opera magistraliter«

Joseph Haydn
komponierte das Drama giocosa, wie die meisten seiner Werke, im Auftrag des kunstsinnigen Fürsten Nikolaus von Esterházy (1714 bis 1790). Dieser ließ neben dem Schloss, dessen Pracht an Versailles erinnerte, ein Opernhaus mit 400 Plätzen erbauen. Zur Eröffnung 1768 wurde Haydns Werk uraufgeführt.

"Sitzt einem hier im Kopf das Weh, so nehmen wir von diesem Tee, verdarb er gar den Magen sich, Rhabarber hilft sicherlich."
Aus einer Arie

Die Handlung folgt dem Schema der Commedia dell'arte. Ähnlich wie in Beaumarchaises »Barbier von Sevilla« beabsichtigt der alte Apotheker Sempronio, sein Mündel Grilletta zu heiraten. Grilletta hat zwei Verehrer. Mengone, der eine, verdingt sich bei Sempronio als Apothekergehilfe, um Grilletta nahe zu sein, obwohl er von der »Ars pharmaceutica« nichts versteht. Volpino, der zweite, ist ein junger Mann aus reichem Hause. Um den unwissenden Apothekengehilfen und unbequemen Nebenbuhler zu entlarven, verlangt Volpino von Mengone eine schwierige Rezeptur. Dieser erkennt die Absicht und mischt etwas Geeignetes, ein Laxativum, zusammen. Volpone geht nun klüger vor. Er kennt die Vorliebe des Apothekers Sempronio für alles Türkische, und so erscheint er als türkischer Pascha verkleidet und verspricht Sempronio die gutdotierte Stelle eines Hofapothekers in Konstantinopel. Als Belohnung will er Grilletta selbst heiraten, was ihm aber abgeschlagen wird. Nun beginnt der türkische Pascha, alias Volpino, die Apothekeneinrichtung zu zerschlagen. Mengone eilt seinem Prinzipal zu Hilfe und erhält – wie es sich fürs Happy End gehört – Grilletta zur Frau.
Haydns
»Apotheker« (nach Goldonis »Lo speziale«) wird auf eine komisch-heitere und zugleich volkstümliche Geschichte reduziert, das Milieu der Apotheke erscheint vordergründiger, was auch den Ambitionen der jungen Sänger bei der Sonderaufführung im Austria-Center entgegenkam.


Die »Wirkstoffe«
Gabriele Haugeneder
, die für Gesangseinstudierung und Regie verantwortlich zeichnet, war gefordert, den Darstellern die notwendige Dynamik auf der Bühne zu vermitteln, was gut gelang. Trotz opulenter Optik der Kostüme – aber auch das Bühnenbild, gestaltet von der »Lebenshilfe Aschbach« verdient, erwähnt zu werden – stand die Musik von Haydn im Vordergrund. Der Musikalische Leiter, Mag. Johannes Sulzer, führte die jungen Sänger und Sängerinnen umsichtig und spornte sie teilweise zu sehr guten Leistungen an. Genannt seien Claudia Weber als Volpino, Astrid Haugeneder als junges hübsches Mündel Grilletta, sowie der Apothekergehilfe Mengone, in Ermangelung eines Tenors unter den Jugendstimmen von Elfriede Gröbl (Sopran) sehr liebevoll dargestellt.
Richard Helm
spielte den Apotheker Sempronio (von dem Mengone gleich in der ersten Szene bemerkt: "Mein Herr, der Apotheker, ein wunderliches Wesen, sorgt sich nicht um Retorte, nicht um Schale, steckt die Nase beständig in Journale") mit viel Engagement. Ein netter Einfall der Regie: Sempronios Lieblingsjournal bei der Sonderaufführung in Wien war »Die Apotheke«, das erst jüngst relaunchte Magazin des Österreichischen Apotheker-Verlages. Auch der Sponsor, die Österreichische Apothekerbank, und sogar das Thema der Fortbildungstagung, die Urologie, wurden in das Stück eingebaut, was natürlich Heiterkeit unter den Zuschauern auslöste. Bleibt zu erwähnen: da gab es noch Lehrjungen, Nachbarn, Gesinde und Türken. Alle gaben ihr Bestes, das Jugendorchester der Musikschule Waidhofen/Ybbs musizierte großartig, das Projekt unter der Leitung von Beatrix Kastner glückte und war sehens- und hörenswert.

Mag. pharm. Franz Biba
Quelle: ÖAZ 25/2002