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Moderne Hepatitis C-Therapie erhöht bei HIV-Patienten Lebensqualität und Lebenserwartung
 
 
Seit dem Einsatz neuer wirksamer antiretroviraler Kombinations-Therapien (HAART = Highly Active Antiretroviral Therapy) Mitte der 90er Jahre, konnte die Lebenserwartung von AIDS-Patienten massiv gesteigert werden. Heutzutage stellen Lebererkrankungen die wichtigste Todesursache bei Aids dar. Und hier spielt Hepatitis C eine große Rolle. Hepatitis C (HCV) führt durch die fortschreitende Schädigung der Leberzellen in vielen Fällen zu einer Leberzirrhose, deren Folge wiederum häufig ein Leberkarzinom oder Leberversagen ist. Bei HIV-Patienten, die auch mit HCV infiziert sind, kommt es durch die ungünstige gegenseitige Beeinflussung der beiden Viren und vielleicht auch durch die Langzeitwirkungen der HIV-Medikamente - viele dieser Substanzen wirken Leber-toxisch - zu einer zusätzlichen Schädigung der Leber. Daher treten die HCV-Folgeerkrankungen in diesen Fällen früher und schwerwiegender als bei alleinigem Vorliegen von Hepatitis C auf.

Neuesten Studien belegen, dass HIV- und HCV-Infektionen einander negativ beeinflussen. Eine Infektion mit HIV erleichtert das Entstehen von Hepatitis C, da ein durch HI-Viren geschwächtes Immunsystem HC-Viren kaum mehr erfolgreich bekämpfen kann. Darüber hinaus beschleunigt die HIV-Infektion die Progression der durch Hepatitis C verursachten Lebererkrankungen. Umgekehrt beschleunigt eine Co-Infektion mit HCV möglicherweise den klinischen Verlauf einer HIV-Erkrankung.

Hepatitis C häufig Todesursache bei Aids

Die HCV-Infektion stellt also bei HIV-Patienten einen wesentlichen Faktor für die Entstehung von zum Tode führenden chronischen Lebererkrankungen dar. Ca. 30% aller HIV-Patienten sind mit Hepatitis C co-infiziert. Drogenabhängige HIV-Patienten, das sind ca. ein Drittel aller HIV-Patienten, sind zu 70-90% mit Hepatitis C infiziert. Univ.-Prof. Dr. Markus Peck-Radosavljevic, AKH Wien: "Durch die heutige Hepatitis C-Therapie kann das Virus in über der Hälfte der Fälle vollständig eliminiert werden. In den übrigen Fällen ist möglicherweise zumindest eine Verlangsamung des Fortschreitens der Leberschädigung zu erreichen. Deswegen ist es so wichtig, HIV-/HCV-co-infizierte Patienten einer modernen Hepatitis C-Behandlung zu zuführen. Lebensqualität und Lebenserwartung können dadurch beträchtlich erhöht werden."

Die Therapie der Hepatitis C

Zur Therapie der Hepatitis C werden so genannte Alfa-Interferone verwendet. Dabei handelt es sich um Zucker-Eiweiß-Moleküle, die in geringen Mengen auch vom Köper produziert werden und sowohl antiviral als auch Immunsystem-stimulierend wirken. Mitte bis Ende der 90er Jahre etablierte sich die Kombination von Interferon alfa und Ribavirin, welches die Wirkung von Interferon verstärkt und eine kraftvollere Immunantwort bewirkt, als Standardtherapie der Hepatitis C-Infektion. Diese Medikamente mussten jedoch 3x die Woche subkutan gespritzt werden. Neben der Angst vor den Nebenwirkungen schreckten viele Patienten vor der oftmaligen Selbst-Injektion zurück. Die lückenlose Medikamenteneinnahme (Compliance), welche für den Therapieerfolg von entscheidender Bedeutung ist, wurde dadurch stark beeinträchtigt. Nur eine Minderzahl der Patienten konnte nach einer zwölfmonatigen Behandlung als geheilt betrachtet werden. Durch eine Veränderung an den Interferonmolekülen, die sog. Pegylierung, gelang es, den Abbau des Medikamentes im Blut zu verlangsamen. "Die neuen pegylierten (alfa) Interferone (z. B. PEGASYS®) sind daher länger wirksam und müssen nur 1x statt 3x pro Woche gespritzt werden. Die Compliance wird dadurch bedeutend größer. Darüber hinaus bleibt der Wirkspiegel im Blut konstant, was auch die Heilungsraten verbessert, und die Nebenwirkungen sind zumeist bedeutend milder", so Prof. Peck-Radosavljevic.

Standardtherapie für Hepatitis C definiert

OA Dr. Armin Rieger, AKH Wien, stellte am Symposium in Wien (12. Juni 2004) Daten aus der bisher größten internationalen Studie über die Behandlung der HIV-/HCV Co-Infektion vor: "Die Ergebnisse zeigen eindeutig, dass die Kombinationstherapie mit PEGASYS® und COPEGUS® eine signifikant bessere Wirksamkeit aufweist als die Kombination von nicht-pegyliertem Interferon alfa-2a mit COPEGUS® oder eine Monotherapie mit PEGASYS®. Bei 40% aller 859 Studienteilnehmer konnten die Hepatitis C-Viren selbst ein halbes Jahr nach Therapieende nicht mehr nachgewiesen werden. Zu Beginn der Studie wurde an den Patienten ein Interferon-Sensitivitätstest durchgeführt, der zeigte, ob und in welchem Ausmaß sie überhaupt auf eine Therapie mit Interferonen ansprechen würden. Bei jenen Personen, die am besten darauf ansprachen, betrug die Heilungsrate sogar 56%. Mit herkömmlichen nicht-pegylierten Interferonen lag die Heilungsrate bei 12-15%." Die Kombination PEG-Interferon mit Ribavirin (PEGASYS® und COPEGUS® ) gilt nun als Standardtherapie in der Behandlung der Hepatitis C-Infektion.

Auch OA Dr. Brigitte Schmied vom SMZ Baumgartner Höhe, die am Symposium zum Thema "Update der HIV-Therapie" referierte, wies auf die Vorteile einer rechtzeitigen und effektiven HCV-Therapie bei HIV-Patienten hin: "Die Entwicklung neuer Medikamente sowohl bekannter Substanzklassen als auch von neuen Wirkstoffen mit anderen Angriffspunkten, ermöglicht eine hochwirksame, langanhaltende Virussuppression. Morbidität und Mortalität der HIV-Erkrankung wurden in den letzten Jahren entscheidend verringert. Reduzierte Einnahmehäufigkeit und Tablettenanzahl ermöglichen eine verbesserte Integration der ART (Active Antiretroviral Therapy) in den Alltag der Betroffenen. Resistenzentwicklungen, metabolische Komplikationen, toxische Wirkungen und das Management HIV/HCV co-infizierter Patienten stellen heute eine große medizinische Herausforderung dar. Mit der Entwicklung einer effizienten HCV Therapie wurde nun ein weiterer entscheidender Fortschritt erzielt." Denn die neuen Daten zeigen, dass diese moderne Hepatitis C-Therapie keinen negativen Einfluss auf die HIV-Infektion hat. Vielmehr werden durch die Verhinderung bzw. das Aufhalten der Leberzerstörung sowohl Lebensqualität als auch Lebenserwartung der betroffenen HIV-Patienten beträchtlich erhöht. Die moderne HCV-Therapie stellt eine effektive und sichere Therapie dar.

Neues aus der HIV-Therapie

Im "Update der HIV-Therapie" wurde Fuzeon®, ebenfalls aus dem Hause Roche, als Medikament vorgestellt, das vor allem jenen AIDS-Patienten Hoffnung gibt, die auf bisherige Therapien ungenügend ansprechen oder allen anderen Medikamenten gegenüber eine Resistenz entwickelt haben. Fuzeon® gehört zur neuesten Klasse der HIV-Medikamente und ist ein hoch effektiver Fusionshemmer, der seit Juni 2003 in Österreich auf dem Markt ist.